Faszinierendes Kolumbien

Wie ich Kolumbien als Backpacker erlebte.


Es ist nicht so, dass wir in den letzten Monaten nichts Interessantes unternommen haben oder wenig geschehen ist. Nein, ganz im Gegenteil. Nur leider huscht auch hier die Zeit wie im Fluge vorbei. Um den Newsletter deshalb ein bisschen lebendiger zu gestalten und Bilder nun mal mehr als 1000 Worte sagen, werden die nächsten Newsletter ab nun an mehr Bilder und Videos enthalten.

Den Newsletter von Kolumbien und ein Teil von Panama hatte ich bereits geschrieben und er war quasi „druckreif“, doch dann wurde mir leider in Ecuador beim Karneval in Cuenca mein Handy gestohlen. Hier in Ecuador sprühen sie bei den Karnevalsparties mit Schaum herum; was eigentlich ganz spassig ist wurde mir dann leider zum Verhängnis. Ich wurde von einigen Jungs attackiert, der Schaum wurde mir direkt in die Augen gesprayt, wurde angerempelt und schwubs mein Handy war weg. Und mit meinem Handy alle Fotos und Videos der letzten Monate und auch die Texte der Newsletter. In dem Moment ging für mich die Welt unter, ich stellte mir die Frage nach Sinn und Unsinn dieser Reise. Wieso trifft es immer mich? Wo kriege ich jetzt so schnell ein neues Handy her, meine SIM Karte aus der Schweiz und und und. Einige Stunden später sieht die Welt dann wieder bisschen fröhlicher aus und im Nachhinein würde ich über das Foto wie zerstört ich am Tisch saß nicht unbedingt lachen, nein für das ist es noch zu frisch, aber ein Schmunzeln würde es mich schon kosten. Aber so ist es eben auf einer Weltreise: negative Erfahrungen gehören dazu, und mit jeder wächst man ein bisschen mehr.

Kolumbien, du kannst so schön sein!

Nach einer mehrtägigen Passage sind wir endlich in der Bucht von Santa Marta angekommen. Unser Plan für Kolumbien war nicht nur die Küstenstädte von Kolumbiens Atlantikküste anzuschauen, sondern ein paar Wochen durch das Landesinnere zu reisen. „Was? Aber ist das nicht gefährlich?” ist normalerweise das Erste, was Touristen häufig hören, wenn sie ihre Pläne für eine Reise nach Kolumbien, dem südamerikanischen Juwel, ankündigen. Dennoch lies uns das erst einmal abgeschreckt, mussten wir doch erst einmal die üblichen Formalitäten erledigen. Das Einklarieren (Boot und Passagiere müssen im Land registriert werden) ist in Kolumbien deutlich komplizierter als anderswo bisher auf meiner Reise. Einerseits kommen unterschiedliche Offizielle an Board, inspizieren sorgfältig mein Hab und Gut, andererseits benötigt man einen Agenten für alles. Mit einem Platz in der Marina von Santa Marta wäre der Agent gratis gewesen, die Marina selbst war aber so teuer, dass wir uns entschieden, vor Anker zu bleiben. Wenn nicht einklariert wird darf das Land jedoch nicht betreten werden, wir taten es trotzdem und erkundigten die Stadt Santa Marta „illegal“. Zurück an Board wurden wir dafür, als ob man es so wollte, direkt bestraft. Beide Heckfender wurden am hellichten Tag gestohlen. Gefährlich ist Kolumbien bisher nicht, aber definitiv kriminell und teilweise korrupt.

Äußert verärgert über den Diebstahl beschlossen wir am nächsten Tag nach Puerto Velero zu fahren, rund 60 Seemeilen entfernt. 60 Seemeilen bedeuteten rund 12 Stunden Fahrt. Da hier nur 12 Stunden die Sonne scheint entschlossen wir entgegen unserer üblichen Vorgehensweisen, im Morgengrauen zu starten, die Nacht durchzusegeln. Kein unübliches Vorgehen bei uns Seglern, weil verhindert werden möchte bei Dunkelheit an einem unbekannten Ort anzukommen. Dies bringt nur unnötige Gefahren mit sich. Nach dem Abendbrot lichteten wir um 21.30h den Anker und setzten nur das Vorsegel und düsten mit unendlich vielen Fallböen los. Fallböen sind hier an der Küste Kolumbiens üblich. da sich kurz hinter der Küste das Gebirge der Sierra Nevada, mit Bergen über 5´000m, erstreckt. Nach kurzer Zeit nahm der Wind aber stetig zu und wir refften das Vorsegel (Segel kleiner machen). Mit zunehmendem Wind refften wir weiter, bis nur ein kleines Stückchen des Vorsegels draußen war. Doch auf einmal machte es „Klacks“, eine Leine des Lazy Jacks riss (wenn das Grosssegel nicht verwendet wird liegt es auf dem Baum in einem Sack welcher mit Leinen nach oben gezogen wird. Diese Leinen werden Lazy Jacks genannt). Leider war der Sack nicht zugezogen, „laziness“ wird bestraft, und das Grosssegel fiel auf die Seite runter. Wir versuchten zu zweit das Segel zu fixieren, leider nahm der Wind sowie auch die Wellen weiter zu. Aus Sicherheitsgründen haben wir den Versuch nach kurzer Zeit aufgegeben. Ich entschied mich aufgrund der Vorkommnisse nach Santa Marta umzudrehen, es macht keinen Sinn 12 Stunden in diesen Bedingungen weiter zu fahren. Unter Motor stampften wir gegen Wind und Welle. Die Wellen waren in der Zwischenzeit auf über zwei Meter angestiegen und der Windmesser zeigt Geschwindigkeiten von über 45 Knoten (ca 80 km/h) an. Da wir aufgrund der Wellen und des Windes abdriftenden, zum Glück gegen das offene Meer, benötigten wir für rund drei Seemeilen (5.4km) zweieinhalb Stunden. In dieser langen Zeit geht einem so einiges durch den Kopf: Was mache ich wenn wir nicht zurück kommen? Lassen wir uns abschleppen? Warten wir bis der Sturm vorüber ist? Was ist wenn der Motor überhitzt weil ich mit Vollgas versuchte gegen die See heranzukommen? Um 00.30 fiel dann der Anker, genau am gleichen Ort, wo wir vor ein paar Stunden, loslegten. Völlig erschöpft und mit restlichem Adrenalin im Blut ging’s ab ins Bett. Erster Sturm: Check. Muss ich aber auch so schnell nicht wieder haben. Zumal das Grosssegel in Mitleidenschaft genommen wurde und ca 1 Meter am Achterliek gerissen war! Unnötig und ärgerlich!


Zwei Tage später wagten wir den zweiten Versuch. Diesmal überhaupt kein Wind; unter Motor mit lästigem Lärm kamen wir nach 12 Stunden in Puerto Velero an. Besser als Sturm aber Segelspaß ist anders. In der Marina von Puerto Velero klarierten wir ein, die befürchtete Mupped Show mit fünf Offiziellen wurde Tatsache. Leute vom Custom, Immigration, Landwirtschaft, Health und Port Captain waren mit am Start. Uns blieb nur ein verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht, diese Länder kennen keine Sportschifffahrt und somit werden wir kleine Yachties wie große Tanker behandelt. Leider kostet es auch entsprechend mehr als in den anderen Ländern. Damit sich das ganze lohnt, blieben wir dann rund zwei Monate am gleichen Steg liegen. Wir unternahmen in Landesinneren einige Touren, ich war rasch auf Heimaturlaub, wir lernten Kitesurfen und wir bastelten am Boot. Wir flogen nach Bucameranga und zogen mit dem öffentlichen Bus weiter nach San Gil, eine Hochburg von Outdoor Aktivitäten. Wir liessen uns das nicht entgehen und verbrachten einige Stunden mir erhöhtem Puls im Klettergarten.

Auf dem Weg zur Millionenstadt Bogota hielten wir im kleinen und herzigen Dörfchen Barichara, gingen viel wandern, laufen und genossen das Leben. In Bogota besuchten wir den Gemüse-/ und Fleischmarkt, waren bei einer Graffiti Tour dabei (echte Kunstwerke, das Sprayen ist zwar verboten aber die Stadt duldet es trotzdem...), radelten mit dem Fahrrad durch die Stadt und besuchten die weltberühmte Salzkathedrale und Miene. Immer wieder erstaunlich was die Menschheit so bewerkstelligen kann.




Auf dem Weg zu nächsten Großstadt Medellin machten wir Halt in Salento, besuchten eine Kaffeefarm, gingen ins berühmte Cocoa Vally wandern und lernten interessante Leute kennen. Medellin gefiel uns weniger, Großstädte haben in solchen Ländern nicht so viel Charme: Groß, laut und dreckig. Klar die ehemalige Favela, Comune 13, wurde für die Touristen schön hergerichtet, die Luftseilbahnen zum Park Arvi war nett. Damit man jedoch die Vorzüge einer Großstadt kennen lernen darf muss man wohl länger in der Stadt bleiben als nur ein paar Tage oder das Glück mit Einheimischen in Kntakt zu kommen.

Einzige Ausnahme bleibt da wohl nur die Altstadt von Cartagena, wo wir einige Tage verbrachten. Sie gefiel uns wahnsinnig gut, wir schlenderten durch die mit die mit Blumen verzierten Gassen, überall aus den Wohnungen strömte Musik, und die Stadt versprühte ein ganz besonderes Flair. Natürlich waren wir nicht die einzigen Touristen in der Stadt, so passten wir unseren Tagesablauf kurzer Hand an und standen zweimal um 0530h auf um den Touristen zu entkommen und schöne Fotos von der Stadt zu schiessen.


Dennoch zog es uns zügig wieder in die Natur, das ursprüngliche Kolumbien. In Palomino unternahmen wir mit einem einheimischen Guide eine dreitägige Wanderung in die Sierra Nevada. Möchte hier gar nicht viel dazu schreiben, schaut euch das Video an. Eine Erfahrung dieser Reise, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde, Wow! => Link hier


Anfang Oktober und nach knapp zwei Monaten in Kolumbien hieß es Abschied nehmen: Adios Colombia! Ein Land mit einer einzigartigen Mischung aus freundlichen Menschen, gutem Essen und vielfältiger Landschaft aus Strand, Bergen und Großstädten. Ein Land, das es schafft, den Reisenden an jeder Ecke wieder aufs Neue in den Bann zu ziehen.


Von Kolumbien machten wir uns auf nach Panama. Zusammen mit Lara und Anja gingen wir einkaufen. Immer wieder ein Highlight für eine längere Zeit einzukaufen. Die Blicke im Supermarkt sind teilweise herrlich; Hamsterkäufe für die Überfahrt. Unter Motor verließen wir Kolumbien und kamen nur sehr langsam voran. Der Wind setzte entgegen den Vorhersagen nicht wie gewünscht ein. Da das Schiff rund zwei Monate nicht bewegt wurde setzten sich fiese Muscheln am Rumpf fest, welche unser unsere Geschwindigkeit um ein Vielfaches verringerten. Mit 2.7 Knoten Fahrt fuhren wir also in die erste Nacht hinein. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit begann es bei mir im Kopf bereits wieder zu rechnen: Reicht der vorhandene Diesel, zumal wir das letzte mal in Grenada und das vor vier Monaten Diesel getankt hatten? Wie schnell müssen wir sein damit es reicht? Was ist wenn der Wind nicht einsetzt, kommen wir unter Motor durch? So meine Gedankengänge über mehrere Stunden. Aus meinen Gedanken wurde ich mitten in der Nacht herausgerissen durch ein für mich zu diesem Zeitpunkt, unbekannten Alarm. Ich machte mich auf die Suche und fand heraus, dass der eigens eingebaute Abgastemperatursensor zum ersten Mal anschlug. Motor aus! Zum Glück setzte eine leichte Brise ein und wir hissten das Vorsegel, das Großsegel war immer noch vom Zwischenfall in Santa Marta beschädigt und konnte nicht verwendet werden. Das sind immer diese berüchtigten Momente, weit draußen auf dem Meer, mit unbekannten Problemen mitten in der Nacht im Handbuch zu stöbern mit der Hoffnung einen Hinweis zu finden. In solchen Momenten wünscht man sich schon manchmal zuhause vor dem Schreibtisch zu sitzen und sich nicht Sorgen darum zu machen, ob das eigene Zuhause noch steht.

Wir entschieden bis zum ersten Sonnenschein unter Segel weiter zu dümpeln. An Schlaf war bei mir logischerweise nicht zu denken, da gehen zu viele Sachen durch den Kopf. Die Sonne war noch nicht ganz da, da stand ich bereits auf und startete den Motor, prüfte was ich prüften konnte und stellte fest, dass kein Kühlwasser mehr austrat! Ohne Motor nach Panama zu segeln war zu riskant, da wir zumal im Inselarchipel San Blas noch einen Stopp einlegen wollte. Ohne Motor durch die Riffe zu fahren, undenkbar! Zumindest, wenn wir nicht so enden wollten, wie einige Schiffswracke vor den Inseln. Somit entschied ich mich den Kurs wieder nach Kolumbien zu ändern, da ich mich da auskannte und wusste, dassman dort ohne Probleme ankern kann. Zusammen mit Lara ging ich nochmals die Handbücher durch. Wir bauten den Impeller aus, prüften die Salzwasserzufuhr und siehe da, im Vorfilter war kein Wasser mehr drin und somit konnte der Motor kein Wasser mehr ansaugen. Wir prüften, ob der Zufluss verstopft war aber kamen zum Entschluss, dass es lediglich am Deckel des Vorfilters lag, welcher bei der letzten Kontrolle nicht ganz geschlossen wurde. Somit kam Luft ins System und das Wasser konnte nicht mehr angesaugt werden. Kleine Ursache, große Auswirkung. Wir ließen den Motor zwei Stunden laufen, um zu prüfen ob nun alles in Ordnung war.


Aufgrund des Dieselverbrauchs entschied ich mich dennoch nach Cartagena (einzige Tankstelle weit und breit) zu motoren, da der Wind immer noch nicht auffrischte. Mitten in der Nacht kamen wir an, vor den Hochhäusern von Cartagena fiel der Anker um 0100. Viel zu dunkel für meinen Geschmack, und eigentlich vermeide ich es, wann immer es geht im Dunkeln anzukommen. Es war nicht einfach zu unterscheiden ob es sich um ein Signalfeuer, welche eine Untiefe oder Wegmarkierung signalisiert oder um Lichter der Straßenlaternen oder Hochhäusern handelt. Dazu kam, dass einige vor ankerliegende Schiffe (teilweise schon recht herunterkommende Segelschiffe) kein Ankerlicht gesetzt hatten, was das ganze Manöver bei Dunkelheit erschwerte.

Den nächste Morgen liessen wir langsam angehen, jeder musste sich on den Strapazen erholen. Lara und ich versuchten unter Wasser die Yum Yum von den Muscheln zu befreien, damit wir schneller unterwegs sein können. Nach kurzer Zeit und Blasen an den Händen brachen wir den Versuch ab. Das Unterwasserschiff sah aus wie ein Korallengarten, da musste professionelle Hilfe ran. Eine persönliche Nachricht aus der Schweiz warf mich zudem einige Stunden außer Gefecht. Es blieb uns dennoch nichts anderes übrig als am gleichen Tag noch einige organisatorische Maßnahmen zu treffen, denn wir waren wieder mal „illegal“ im Land. Wir hatten ja bereits in Puerto Velero ausklariert und freiwillig wollte ich mich nicht mit der Armada Nacional anlegen, zumal mein Spanisch nicht für eine solche Diskussion reichen würde. Am selben Nachmittag fanden wir bereits einen Segelmacher, nahmen das Großsegel herunter und übergaben es zur Reparatur. Einen Tag später stand ich bereits um 0700 an Land und suchte Paulo. Paulo sollte uns dabei helfen, das Unterwasserschiff zu reinigen. 2,5 Stunden später kam Paulo zu mir und sagte er sei fertig. Ich staunte nicht schlecht, als das ganze Unterwasserschiff von Muscheln befreit war. Beachtliche Leistung und das ganze ohne Sauerstoffflasche, Respekt! Das Großsegel kam kurz vor Mittag repariert zurück und am frühen Nachmittag waren wir bereits bei der Tankstelle. Ausnahmsweise lief alles wie geplant und wir waren bereit für Panama. Panama wir kommen!

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