Das Leben im Paradies hat auch seine Tücken!

Wieviel Aufwand steckt wirklich dahinter?



Häufig werden wir gefragt, was wir denn eigentlich so den ganzen Tag an Bord machen. Einerseits fallen alltägliche Arbeiten an wie Einkaufen und Wäsche waschen. Das hört sich zwar simpel an, ist es jedoch nicht und kann locker mal einen halben Tag oder auch länger in Anspruch nehmen. Allein das Vorbereiten des Dinghys und die Fahrt bis an Land nimmt schon Zeit in Anspruch. Und häufig ist dann der Supermarkt weit von unserem Liegeplatz entfernt, sodass wir uns überlegen müssen, wie wir dort hinkommen. Es hat schon durchaus Vorteile, einfach ins Auto zu steigen und beim nächsten Supermarkt zu halten, der ein weitreichendes Sortiment hat. Auf der anderen Seite verbringen wir aber auch viel Zeit damit, unsere nächsten Etappen und Aktivitäten zu planen, seien es Wanderungen, Kite-Stunden oder Barbeques mit anderen Seglern.


Neben den ganzen Ausflügen und Wanderungen, die wir unternehmen arbeiten wir aber auch sehr viel am Schiff, um es in Schuss zu halten. Längere Überfahrten zerren extrem am Material und die Salzwasserumgebung ist auch nicht gerade förderlich. Zeitweise verfolgte mich der Fluch, dass jeden Tag etwas in die Brüche ging. Um dies vorzubeugen versuche ich das Boot so gut wie möglich im Stande zu halten um mich gegen diesen Fluch zu wehren.


In den letzten Wochen war ich sehr fleißig und habe einiges geschraubt, genäht und geschwitzt. In St. Kitts haben wir den Fäkalientank der hinteren Toilette Backbord ausgebaut weil dieser schon seit einer Ewigkeit verstopft war. Mit ach und krach konnten wir diesen ausbauen und in der Bucht reinigen. Einen Augenblick nicht aufgepasst war der Tank im Wasser und ich logischerweise dann hinterher…Zum Glück für die anderen Boote war es ein trüber Nachmittag, welcher sonst nicht zum Schwimmen einlud. Vom Erfolg gekrönt haben wir dann einige Tage später den vorderen Fäkalientank auch noch gereinigt, diesmal aber ohne den ganzen Tank auszubauen. Genauso eklig war es aber trotzdem…Mit dem Arm, verpackt in Plastik bis zur Schulter, im Tank rumzuwühlen, steht wahrlich nicht auf meiner Liste der Lieblingsaktivitäten.


Die vordere WC Pumpe wurde mindestens sieben Mal aus und wieder eingebaut da stets Wasser entrinnte. Es wurde gereinigt, Dichtungen ersetzt, gefettet und alles wieder zusammen gebaut, das Ganze mal für mal. Schlussendlich mussten wir dann doch eine neue WC Pumpe einbauen, da wir leider feststellen mussten, dass das Wasser durch die Pumpe sickerte und diese vollkommen verrostet war und nicht mehr gerettet werden konnte. Wer die Toiletten kennt weiss, dass da nicht viel Platz ist um zu arbeiten und die Temperatur heiss und die Durchlüftung gering ist. Der Schweiss lief entsprechend nur so runter. Danke Cyrille und Jan für eure Unterstützung!


Es gab aber auch schönere Arbeiten an Bord: Alle vier Winchen wurden auseinander gebaut, gesäubert, gefettet und wieder nach Anleitung zusammen gebaut sodass diese nicht mehr quietschen. Das Küchentablar wurde neu geleimt, das Steuerelement des Kühlschrankes ersetzt, weil dies den Geist aufgegeben hatte, ein neuer Bluetooth fähiger Batterie Monitor wurde eingebaut, das Grosssegel musste am obersten Mastrutscher neu genäht werden weil es ausgerissen war. In Grenada wurde dann die ganze Solaranlage erneuert damit wir in Zukunft genügend Strom produzieren können. Die alten Solarpanels wurden demontiert und die neuen, fünf Paneelen a 100 Watt, neu installiert. Leider mussten wir trotzdem feststellen, dass die Batterien bereits nach einem Jahr futsch sind. Dank der Kulanz von Mastervolt werden wir nun neue auf Garantie erhalten. Somit sollten wir nun neben den Solarzellen mit dem Windgenerator und HydroCharger (Wassergenerator) genügend Stromquellen haben. Letzteres hat mich jedoch bislang sicher mehr gekostet als gebracht. Bei der Atlantiküberquerung haben wir den Propeller des HydroChargers verloren, bei der Überfahrt nach St. Barth haben wir ein Fischernetz gefangen und entsprechend wurde der HydroCharger verbogen. Neu gebogen, Geschweisst, zu viel geschweisst, beim nächsten Testeinsatz gebrochen. Somit musste in Grenada für teures Geld ein neues Rohr eingeschweisst werden. Wir sind gespannt was uns diese Diva noch für einen Spass zubereitet.


Schlussendlich wurde auch das Dinghy etliche Male neu geflickt. Mühsam den alten Kleber entfernt, gereinigt, neu verklebt um festzustellen, dass es immer noch undicht ist. Leider sind die Tage für dieses Dinghy gezählt denn es macht einfach keinen Spass bei jeder Verwendung das Dinghy fünf Minuten aufzupumpen im Wissen, dass nach zehn Minuten die Luft wieder draussen ist. Die Suche nach einem neuen hat bereits begonnen; allerdings sind die Preise mit über CHF 2500. Sponsoren sind willkommen. Wer also Lust hat sich als Sponsor zu beteiligen, bekommt als Gegenleistungen schöne Fotos, lustige Videos und natürlich ewige Dankbarkeit (hier gehts zur Unterstützung).


Hört sich jetzt nach viel Arbeit an, ist es teilweise auch. Da neben den ganzen aufgezählten Arbeiten die kleineren Reparaturen, Reinigungen und Instandstellungen dazukommen. Da sich durch die Salzluft immer sehr schnell Flugrost bildet hat man ständig den Lappen in der Hand.


Es bereitet mir jedoch viel Freude, diese Arbeiten auszuführen und mit jedem Problem und jeder Reparatur lerne ich meine Yum Yum besser kennen. Zusätzlich ist es immer wieder eine neue Herausforderung die Reparaturen anzugehen. Etliches Werkzeug über Trennscheibe, Stichsäge, Lötkolben und vieles mehr ist an Bord, jedoch genau das Werkzeug was man bräuchte eben dann doch nicht. Da muss man teilweise schon mit sehr viel Kreativität das Problem angehen. Auch wenn es oft nervenaufreibend ist, trotzdem weiß ich, wie viele weitere Weltumsegler vor mir: es ist der schönste Arbeitsplatz der Welt!


Trotzdessen mussten wir leider auch einige negative Erfahrungen machen.


Auf Bonaire wurden uns die beiden Falträder über Nacht geklaut. Trotz intensiver Suche und Aushang der Vermisstmeldung sind diese immer noch beim falschen Eigentümer. Zu allem Überfluss wurde uns in Curaçao der Aussenborder vom Dinghy inkl. Benzinkanister gestohlen. Was für ein Schock bei der Rückkehr. Da wir praktisch immer vor Anker liegen ist das Dinghy unsere Verbindung zum Land und essentiell wichtig. Eigentlich war mein Plan, bald das Dinghy auszutauschen; jetzt hatte aber der Motor Priorität und ich musste mich schnell um Ersatz kümmern. Denn gegen Wind und Wellen zu rudern ist zwar gut für die Fitness, jedoch nicht bei diesen Temperaturen und bei längeren Distanzen. Danke an die SY Limelight aus Deutschland welche für uns etliche Male das Wassertaxi spielte. Auf Aruba und nach neun Tage später wurde dann ein neuer Aussenborder angeschafft. Trotz intensiver Diskussion mit der Versicherung. welche einen Diebstahl als Reparatur ansieht (!!) wurde schlussendlich 76% der Kosten übernommen. Die ABC Inseln waren uns in dieser Hinsicht wahrlich nicht wohlgesonnen und deswegen hofften wir, dass unsere Diebstahlserie in Kolumbien ein Ende haben würde. Angekommen in Kolumbien, wurden uns allerdings direkt am ersten Tag beide Heckfender gestohlen als wir uns auf Landausflug befanden. Freundlichkeit sieht anders aus…


Aber auch im Paradies scheint nicht immer die Sonne :)


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